Es ist deutsch in Kaltland

»Das Volk ist niemals tümlich« – Bertolt Brecht

Wir müssen reden. Und ausnahmsweise nicht über Techno, Psytrance, Breakbeat, Rap oder Punk. Sondern über das, was zur Zeit außerhalb unserer Blase passiert. Wem die nachfolgende Meinungsäußerung nicht passt, hat im Stilbrvch nichts verloren.

Freital, Heidenau, Witzenhausen, Dortmund, Berlin, und und und. Was ist hier eigentlich los?
Flüchtlingsunterkünfte werden massenhaft angezündet. In Freital und Heidenau werden Unterkünfte von hetzparolenschreienden „besorgten Bürgern“ und „Asylkritikern“ belagert und mit Flaschen und Böllern beworfen, während die Polizei damit beschäftigt ist, Unterstützer*innen aus der Stadt zu prügeln, um die Lage zu „deeskalieren“.
In Dortmund patrouilliert die Partei „Die Rechte“ mit T-Shirts auf denen „Stadtschutz“ steht auf den Straßen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln und verbreitet seit Jahren ein Klima der Angst.
In Berlin mussten das Willy-Brandt-Haus und die LaGeSo wegen Bombendrohungen geräumt werden und in der Ringbahn pinkeln besoffene Nazis auf Kinder.
In Witzenhausen wurden Geflüchtete und deren Betreuer vor hunderten Leuten von Faschos verprügelt, ohne dass jemand auf die Hilferufe reagiert hat. Volksfest mit Betonung auf Volk.
Die Liste ließe sich derzeit leider noch deutlich länger fortsetzen.
Währenddessen marschieren PEGIDA und deren Ableger/Varianten, um sich als die Mitte der Gesellschaft auszugeben und die bürgerlichere Fratze der AfD sitzt in Landtagen und dem Europaparlament.
Rassismus und Hetze sind wieder en Vogue geworden. Sei es gegen Griechenland oder Flüchtlinge.
Das ach so weltoffene Göttingen ist zwar bislang von größeren Schrecken verschont worden, bildet aber keine Ausnahme. Burschis, die mit Softair-Sturmgewehratrappen auf selbstverwaltete Wohnprojekte schießen, Naziübergriffe auf Linke mitten in der Innenstadt und der bürgerliche Protest gegen eine Flüchtlingsunterkunft auf den „exklusiven“ Zietenterrassen.

Derweil tobt auf Facebook in den Kommentarspalten der Lokalpresse der rassistische Mob und die Social Media Abteilung des GT ist scheinbar total überfordert, während sich kleinbürgerliche Existenzen unter Klarnamen gegenseitig in immer radikalere Hasstiraden hochschaukeln und Geifer spucken. Zum Glück gibt es dort noch einige unermüdliche Gegenwehr. Die Kommentare werden neuerdings von der Facebook-Seite „Göttinger Zustände“ dokumentiert.
Die Politik ist entweder überfordert, desinteressiert oder kopiert gleich direkt die rechten Parolen. (I’m looking at you, Horst Seehofer.) Wenn sie sich dann endlich mal zu den richtigen Worten hinreißen lassen, dann wird sie von hochrangigen Polizist*innen angezeigt, wie das Geschehen um die Äußerungen Wolfgang Thierses zeigt.
Währenddessen müssen immer mehr Menschen flüchten, sei es aufgrund ihrer Ethnie, Religion, sexuellen Orientierung, ihres Geschlechts oder vor Kriegen, die mit Waffen „made in Germany“ geführt werden. Diejenigen, die es bis hierher geschafft haben und eigentlich in Sicherheit sein sollten, werden mit blankem Hass und purem Neid empfangen und auf engstem Raum zusammengepfercht, da die Politik geopolitische Entwicklungen ignoriert hat. Eigentlich wurde ja gehofft, dass das verschärfte Asylrecht Menschen davon abhält, nach Europa zu flüchten.
Neid worauf eigentlich? Wer ist bitte so kaputt jemanden zu beneiden, der nichts hat? Was ist nur mit diesen Menschen falsch gelaufen, dass sie so herzlos werden konnten? Und wie zum Teufel soll man solche Menschen noch erreichen? Die sind für eine progressive Gesellschaft doch unrettbar verloren, oder nicht?

„Ich bin kein Rassist, aber…“, „Nazi-Keule“, „Meinungsfreiheit“, „Toleranz“,„linksgrünantideutschkomponistenversiffte Gutmenschen“, „Jeder, der Flüchtlingen helfen will, soll selbst einen aufnehmen (und wird dann später genau dafür bedroht)“, „schweigende Mehrheit“, „Wirtschaftsflüchtlinge“, „macht doch mal was für die Deutschen (wahlweise Obdachlose, Studierende oder Rentner*innen)“ und „kann denn nicht endlich mal jemand an die Kinder denken!?!“ und trotzdem will keiner von denen rechts sein. Geschweige denn Rassist*in oder Nazi. Wenn das die Mitte der Gesellschaft ist, dann ist es nicht wert, das als Gesellschaft zu bezeichnen.
Wir können den Scheißdreck einfach nicht mehr hören! Keine Toleranz der Intoleranz! Zeigt dem Rassist*innenpack klare Kante und grenzt sie aus. Lasst eure Freund*innen nicht alleine stehen, wenn sie Rassist*innen, Nationalist*innen, Sexist*innen, Antisemit*innen oder Homophoben die Stirn bieten! Macht die Fresse auf. Egal ob im Internet oder im echten Leben. Macht euch bemerkbar und zeigt Gesicht. Zeigt denen auf, wie widerlich sie sind und wie sehr sie sich schämen müssten. Deren Argumente halten nicht lange (im Durchschnitt haben die ein Portfolio von drei Argumenten, die auf bewussten Falschinformationen oder Verfälschungen basieren). Bildet euch. Bildet andere. Bildet Banden. Wir trauen euch zu, klüger und empathischer zu sein als diese Menschen. Wenn nicht bald alle anpacken verlieren wir so langsam den Glauben an die Menschheit.

#RefugeesAreWelcome
#WennihreinenNazisehtdannb*xtihn*sie
#DeutscheZustände

P.S.: Das Ganze ist übrigens absolut nichts Neues, wird aber durch soziale Medien einfach sichtbarer und radikalisiert. Trotzdem ey, irgendwann ist ja wohl mal Schluss! Geschichte muss sich nicht wiederholen, das ist kein Naturgesetz, verdammte Scheiße!

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Ein Kommentar zu “Es ist deutsch in Kaltland
  1. Bastala sagt:

    Jippie, jawollo, geiler Scheiß!

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